der Welt der Möglichkeiten, diese Vorstellung ist es, diemich zuweilen ahnend verstehen läßt, was sich hier eigent-lich hinter der Erscheinung vollzieht. Mir ist dann, alssei alles individuelle Dasein als Folge zu begreifen einesübersinnlichen WillenSakteS und Entschlusses zur Konzen-tration, zur Begrenzung und Gestaltung, zur Sammlungaus dem Nichts, zur Absage an die Freiheit, die Unend-lichkeit, an das Schlummern und Weben in raum- undzeitloser Nacht, — eines sittlichen Entschlusses zum Sein undzum Leiden. Ja, Werden ist bereits moralisch — und wagmeinte wohl sonst jener christliche Spruch: Unsere größteSünde sei, daß wir geboren wurden? Nur der Spieß-bürger glaubt, daß Sünde und Moralität entgegengesetzteBegriffe seien: sie sind eins; ohne die Erkenntnis der Sünde,ohne die Hingabe an das Schädliche und Verzehrende istalle Moralität nur läppische Tugendhaftigkeit. Nicht Rein-heit und Unwissenheit sind der im sittlichen Sinne wün-schenswerte Zustand, nicht egoistische Vorsicht und die ver-ächtliche Kunst des guten Gewissens machen das Sittlicheaus, sondern der Kamps und die Not, die Leidenschaft undder Schmerz. „Wer" — steht irgendwo bei Heinrich vonKleist — „das Leben mit Sorgfalt liebt, moralisch tot ister schon, denn seine höchste Lebenskraft, es opfern zu können,modert, indem er es pflegt." Und das sittlichste Wort desEvangeliums lautet: „Widerstehe nicht dem Bösen."
Die Moral des Künstlers ist Sammlung, sie ist dieKraft zur egoistischen Konzentration, der Entschluß zurForm, Gestalt, Begrenzung, Körperlichkeit, zur Absage andie Freiheit, die Unendlichkeit, an das Schlummern undWeben im unbegrenzten Reich der Empfindung, — sie istmit einem Wort der Wille zum Werk. Aber unedel und