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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
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Das Meer! Die Unendlichkeit! Meine Liebe znm Meer,dessen ungeheure Einfachheit ich der anspruchsvollen Viel-gestalt des Gebirges immer vorgezogen habe, ist so alt wiemeine Liebe zum Schlaf, und ich weiß wohl, worin diesebeiden Sympathien ihre gemeinsame Wurzel haben. Ichhabe in mir viel Jndertum, viel schweres und träges Ver-langen nach jener Form oder llnsorm des Vollkommenen,welcheNirwana" oder das Nichts benannt ist, und ob-wohl ich ein Künstler bin, hege ich eine sehr unkünstlerischeNeigung zum Ewigen, sich äußernd in einer Abneigung gegenGliederung und Maß. Was dagegen spricht, glaube mir,ist Korrektur und Zucht, ist, um das ernsteste Wort zu ge-brauchen, Moral . . . Was ist Moral? Was ist die Moraldes Künstlers?

Moral hat ein doppeltes Gesicht, sie ist sowohl Samm-lung als Hingebung, und eins ohne das andere ist niemalssittlich. WasSammlung" sei, jenes schöpferische Gegen-teil der Zerstreuung, von welchem Grillparzer seinen Priesterso herrliche Worte sagen läßt, das will empfunden sein;und ist es nicht seltsam, daß eine bestimmte Vorstellungmir immer wieder die tiefste Empfindung des Wortes ver-mittelt, die Vorstellung nämlich von dem Zustandekommendes Fötus im Leibe der Mutter? Unser Kopf, denke dir,ist nicht auf einmal rund und fertig, so daß er als Ganzesdann nur noch zu wachsen brauchte: Dag Antlitz ist an-fänglich vorne offen, es wächst von beiden Seiten allmäh-lich nach der Mitte zusammen, es schließt sich langsamund sicher zusammen zu diesem unserem symmetrischen,schauenden, wollenden, individuell-konzentrierten Jch-Geficht. . . sieh, und dieses Sichzusammenschließen, Sich-abfchließen, sich zur entschiedenen Gestalt Heransbilden aus