und so recht nach meinem Herzen war es zum Beispiel,wenn Mesmer die Möglichkeit betonte, daß der Schlaf, indem das Leben der Pflanzen besteht und aus dem das Kindin den ersten Lebenswochen nur erwacht, um Nahrung zusich zu nehmen, vielleicht der dem Menschen natürliche, ur-sprüngliche Zustand sei, dem Zweck des BegetierenS amunmittelbarsten entsprechend. „Könnte man", meint der ge-niale Scharlatan, „nicht sagen, daß wir nur wachen, um zuschlafen?" Das ist vorzüglich gedacht, und die Wachheitist sicherlich nur ein Kampfzustand zum Schutze des Schlafes.Hält nicht auch Darwin dafür, daß sich der Geist nur alsWaffe im Daseinskampf entwickelt habe? Eine gefährlicheWaffe! Die sich, wenn keine äußere Not unsere Sicherheitbedroht, nur allzuoft gegen uns selbst wendet. Wohl uns,wenn sie ruht, wenn die grelle und zehrende Flamme desBewußtseins die Welt um uns und in uns hinlänglich ab-geleuchtek und wir unseren eigentlichen und glücklichen Zu-stand uns wieder überlassen dürfen!
Allein wenn es die Not ist, die uns weckt, so ist es dochsie nicht, die uns eigentlich dem Schlaf entfremdet. WillstDu mir glauben, daß ich die Schlaflosigkeit aus Gram undSorge nicht kenne? Die rechte Inbrunst ist in meinenSchlaf wohl erst gekommen, als das erste Lebensalter derFreiheit und Unantastbarkeit vorüber war und die Widrig-keit des Lebens in Gestalt der Schule meinen Tag zu ent-stellen begann. Ich habe nie köstlicher geschlafen, als ingewissen Nächten zwischen Sonntag und Montag, wennnach einem geschützten Tage, an welchem ich mir und denMeinen hatte gehören dürfen, der nächste wieder mitfremdem und hartem Ungemach drohte. So ist es geblieben:Nie schlafe ich tiefer, nie halte ich süßere Heimkehr in den