Armen, rückwärts sinkenden Hauptes, mit offenen Lippenund selig brechenden Augen gehen wir in seinen köstlichenSchatten ein . . .
Man sagt mir, daß ich ein ruhiges Kind war, kein Schrei-hals und Störenfried, sondern dem Schlummer und Halb-schlummer in einem den Wärterinnen bequemen Grade zu-getan. Ich glaube es, denn ich erinnere mich, den Schlafund das Vergessen geliebt zu haben zu einer Zeit, da ichnoch kaum etwas zu vergessen hatte, und ich weiß wohl zusagen, durch welchen geistigen Eindruck die stille Neigungzuerst zur bewußten Zärtlichkeit angesacht wurde: Es wardamals, als ich dag Märchen vom Mann ohne Schlafvernommen hatte, — die Geschichte jenes Mannes, welcherder Zeit und seiner Hantierung mit so törichtem Eifer an-hing, daß er dem Schlafe fluchte. Da gewährte ihm einEngel die schreckliche Vergünstigung: Er nahm das physischeBedürfnis des Schlafes von ihm, er hauchte auf seine Augen,daß sie wie graue Steine in ihren Höhlen wurden und sichniemals mehr schlossen. Wie dieser Mann sein Verlangenbereut, was er ausgestanden als einzig Schlafloser unterden Menschen, wie er, ein trauriger Verdammter, sein Lebenhingeschleppt, bis endlich der Tod ihn erlöste, endlich dieNacht, die unzugänglich vor seinen steinernen Augen ge-standen, ihn zu sich und in sich genommen, — ich wüßte egim einzelnen nicht mehr zu erzählen, aber ich weiß, daß icham Abend jenes Tages kaum erwarten konnte, in meinemBette allein gelassen zu werden, um mich an die Brustdes Schlafes zu werfen, daß ich nie inniger geschlafen habeals in der Nacht, nachdem ich jener Geschichte gelauscht.
Seitdem habe ich stets in den Büchern mit Genugtuungangemerkt, was sie zum Lobe des Schlafes zu sagen wußten,