wissenschaftliche Unschuld raube. Das leuchtet ein. Dieidealistische Heiterkeit kommt aus häßliche Art zu kurz, wennEramenSzielstrebigkeit die Forderung des Tages ist. In derOberklasse des Gymnasiums sollte es mit dem Büffeln undalso auch mit dem Abhören und peinlichen Aus-den-Zahn-Fühlen überhaupt vorderhand ein Ende haben; das Er-worbene sollte dort, etwa bei der Lektüre der Klassiker,genießend angewandt werden und der UnterrichtStypuS sichdem der Hochschule annähern, also wesentlich im Vortragder Lehrer bestehen. In Sachsen, höre ich, treibt man inPrima schon philosophische Propädeutik. Das ist schön undsollte sich allgemein verbreiten. Jene Klagen aber ehrendiejenigen, die sie laut werden lassen. Das humanistischeGymnasium, das auch ich erhalten wissen möchte, ist, wennnicht alles täuscht, aus dem Punkte, sich wieder zu besinnen,daß Humanismus etwas mit Humanität, mit schönerMenschlichkeit also, mit Heiterkeit und Wohlwollen zu tunhat, und daß die Laufbahn durch seine Klassen nicht aus-schließlich als seelischer Vorbereitungskurs für die Beamten-karriere betrachtet werden sollte. Seit ich jung war unddann am Schlüsse von „Buddenbrooks" der neudeutschenMittelschule bitteren Dank abstattete, ist ein Lehrergeschlechtheraufgekommen, das offenbar dem, welches ich kannte, nurwenig gleicht, ein Geschlecht, das, zum Beispiel, sich zeit-genössischer Kunst mit Freimut nähert und nicht davorzurückscheut, ihrer im Unterricht ernstlich und sympathischzu gedenken. Eine Umfrage und Stimmensammlung unterdiesem Pädagogengeschlecht würde sich mit hoher Wahr-scheinlichkeit zu einer Katastrophe für die Einrichtung desAbiturientenexamens gestalten,
igiS