Gegen das Abitnrientenexamen
9^!ut Freude und unbedingter Zustimmung höre ich von einerAnregung, die der Beseitigung des Abiturientenexamens gilt.Ich bin kein Radikalist und liebe nicht die verantwortungslos-generöse Geste des literarischen Menschheitsbeglückers. Aberdiese tagelange Schraubmarter, in der junge Leute, unter An-wendung schlafoertreibender Mittel, sich als wandelnde Enzy-klopädien erweisen müssen, dieses Examen, bei dem die Mehr-zahl der Examinatoren durchsallen würde, kann in seiner In-humanität, sachlichen Schädlichkeit und ausgemachten Ent-behrlichkeit nur aus Mangel an Sympathie mit der Jugendverteidigt werden. Wer die neun Klassen des Gymnasiumsdurchlief, dem sollte man mit einem anerkennenden Hände-druck den Ausgang zur Hochschule sreigeben und nicht nochein halsbrecherisches Hindernis daoorlegen. Achtzehn, neun-zehn Jahre sind überhaupt kein Alter, um jemand in einemirgendwie feierlichen und entscheidenden Sinne zu „prüfen".Man versieht da das Leben noch nicht, man liebt die Arbeitnoch nicht, man ist vielleicht vorläufig ein träumerischer Faul-pelz und gar kein Objekt für ein sittlich-geistiges Rigorosum.
Die Professoren selbst klagen, daß die Aussicht auf dasExamen wie ein Alp auf dem Unterrichtsbetriebe der Ober-klassen laste, ihm die Unbefangenheit, das Behagen, die