Über Gottfried Keller
^ch bin der „Neuen Zürcher Zeitung" dankbar, daß sieauch mir Gelegenheit gibt, meiner Liebe zu dem großenSchweizer, dessen Andenken sie in diesen Tagen feiert,meiner innigen Anhänglichkeit an sein Werk vor ihrenLesern Ausdruck zu verleihen. Ich habe Gottfried Kellerspät kennengelernt, wie ich vieler deutscher Herrlichkeiten,der Prosa Stifters zum Beispiel, selbst der Goetheserst in vorgerücktere Jahren recht ansichtig wurde; imrussischen und skandinavischen Roman war ich als jungerMensch viel besser zu Hause. Aber als dann die Stundeder Bereitschaft gekommen war — es war auf dem Lande,in warmen, heiteren Sommertagen, die ich nicht vergesje —,da kannte mein Behagen, mein glückseliges Einverständnis,kannten Entzücken und Dankbarkeit keine Grenzen, und ichlas, wie er selbst, dem „Grünen Heinrich" zufolge, alsJüngling zum erstenmal Goethe las: das Sämtliche ineinem Zuge, verzaubert, ohne innerlich auch nur einmalabzusetzen. Seitdem bin ich oft mit Liebe zum Einzelnenzurückgekehrt, und „diese Liebe möcht' ich nie besiegen",wie Platen sagt.
Was wir Deutschen unter Meistertum verstehen, wobeiErinnerungen an unsere beste und nationalste Epoche,