Über den Alkohol
Es ist ganz gegen meine Gewohnheit, vor der Arbeit odertväbrend der Arbeit Alkohol zu mir zu nehmen. Dennochist das ein paarmal vorgekommen. Während ich seit lan-gem nur noch vormittags arbeite, Hobe ich vor Jahreneinmal eine Novelle zur Abendzeit geschrieben, und zwarunter Mithilfe von Kognak-Grog. Man merkl's ihr an.Ferner habe ich einmal, als ich eine Termin-Arbeit (sie sindschi ecklich, diese Termin-Arbeiten) durchaus noch nachmittagsfertigmachen mußte, eine halbe Flasche Champagner hinzu-gezogen, die mich wnklich bis zur Beendigung der Novelleam Schreibtisch festhielt. Aber es handelte sich dabeiweniger um Stimulation als um Beruhigung. Der Weinlähmte mir Ungeduld und Überdruß, machte mich still undverhinderte, daß ich davonlief. Das ist alles.
Im allgemeinen halte ick nicht das geringste von der„Inspiration" durch Alkohol — ich glaube nicht daran.Daß mehrere große Dichter Potatoren gewesen find, beweistmir nichts. Denn wie beinahe alles Große, wag dasteht,als ein Trotzdem dasteht, trotz Kummer und Dual, Armut,Verlassenheit, Körperseh wache, Laster, Leidenschaft undtausend Hemmnissen zustande gekommen ist, so glaube ich,daß auch jene Poeten ihre Leistungen nicht mit dem Alkohol,sondern trotz ihm vollbracht haben. Zuweilen freilich reichtedie Moralität nicht aus. Ein Widersacher, der einen so