solches Sprachelend möglich. Und doch ist festzustellen, daßdie Nation, die sich solche Festreden gefallen läßt, — wennnicht im Wortsinne, so doch im Sinne der Redensart „ge-fallen läßt", — durchaus nicht der Empfänglichkeit für dasgute Wort entbehrt: sie staunt es an, wenn sie ihm begegnet,sie lacht beglückt, wenn es ihrer Sache diente, sie legt einenrührenden Stolz an den Tag, wenn es aus ihrer Mitte kam.
In diesen Tagen gingen, fett gedruckt, ein paar Replikendurch die Zeitungen, die am Verhandlungstische in Spazwischen Herrn Lloyd George und dem deutschen MinisterOr. Simons gewechselt worden waren. In der Diskussionüber die Entwaffnungsangelegenheit hatte der Engländerdie Bosheit oder die Brutalität besessen, zu sagen, eineseriöse Regierung müsse doch Herrin in ihrem eigenen Landesein. Simons antwortete:
„Herr Präsident, Sie sind der Chef eines sehr großenund sehr blühenden siegreichen Imperiums, jedoch habe ichsagen hören, daß es Ihnen jüngst nicht leicht gefallen sei,Rebellen zu veranlassen, die Waffen zurückzugeben, derensie sich bedienten, reguläre Truppen anzugreifen. Ich weißnicht einmal, ob es Ihnen bis heute gelungen ist. Ich er-warte von Ihnen, daß Sie ein wenig Nachsicht mit einernotwendigerweise schwachen Regierung haben werden, dieein geschlagenes Land regieren muß, wo Unordnung herrscht."
Man hat in Deutschland diese Sätze tagelang bewun-dert und genossen, und gewiß, sie waren ein Labsal. Siehaben Leidenschaft, Schärfe, Schliff, Ironie und Feinheit,sie haben dramatischen Akzent, sie beschämen die Macht,sie spenden der Wekilosigkeit die tiefe Wohltat und Genug-tuung des Wortes. Man hat sich an der Geistesgegen-wart ergötzt, mit der die Parade geführt wurde. Doch