Organ für irgendeine positive Disziplin, zum Beispiel dietechnisch-naturwissenschaftliche, vorzüglich entwickelt ist, viel-leicht genial hypertrophiert. Die Zeit neigt entschieden dazu,dieser letzteren Begabung den Vorzug zu geben. Der Be-griff der „Bildung", mit dem Formalen eng verbunden,ist nahe daran, zu veralten. Die Tage des humanistischenGymnasiums, das übrigens entartet war, das mit seinemIdealismus endlich auch seine szöee in Zugeständnissen ein-gebüßt hatte, scheinen gezählt. Humanismus, Humanitätsind bürgerliche Ideen. An die Bedeutung des Symbols„Weimar" für die Zukunft zu glauben, ist schwer. DiesesSymbol möge als „Schisshut und Degen" den Sarg derbürgerlichen Epoche zieren. Die Zukunft gehört nicht der„Bildung", der Kultur, der Innerlichkeit, der „schönenSeele"; sie gehört bestimmt einer Menschlichkeit, die mitder Humanität von l8oo nicht mehr als den Namen ge-meinsam hat. Ward aber „formale Bildung" zum Fossilund Gerümpel, so wäre die Gleichgültigkeit der Schuloberengegen die Frage des deutschen Aufsatzes nicht mehr alsmodern? So wären Ihre pädagogischen Sorgen um diesenGegenstand müßig?
Es ist natürlich nicht so. Ewig menschlich ist die Weltder Dinge, die nian überhaupt nicht ausörückt, es sei denn,man drückte sie gut aus. Es ist die Welt der großen Schrift-steller und Dichter. Sinnen Sie darauf, den lieben, lustigenDurchschnitt zu Sprachkünstlern und Dichtern zu erziehen?Von der Erfolgsmöglichkeit zu schweigen, wäre schon dieFrage nach der Wünschbarkeit des Erfolges mit Energiezu verneinen. Die Kunst zu schreiben ist, wie alle Kunst,dag Produkt einer Reizbarkeit, die nicht menschliche Normsein kann. Es ist nicht wünschbar, daß die Menschheit aus