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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
Seite
363
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Zöz

Stehparterre. In Wahrheit ist heute in der höheren Jugendviel Wagnerkritik, viel instinktives, wenn auch stummesMißtrauen, ja, es muß gesagt werden, viel Gleichgültigkeitgegen Wagner vorhanden. Und wie könnte das anderssein? Wagner ist neunzehntes Jahrhundert durch und durch,ja, er ist der repräsentative deutsche Künstler dieser Epoche,die vielleicht als groß und gewiß als unglückselig im Ge-dächtnis der Menschheit forlleben wird. Denke ich aber andas Meisterwerk des zwanzigsten Jahrhunderts, so schwebtmir etwas vor, was sich von dem Wagnerschen sehr wesent-lich und, wie ich glaube, vorteilhaft unterscheidet, irgendetwas ausnehmend Logisches, Formvolles und Klares, etwaszugleich Strenges und Heiteres, von nicht geringerer Willens-spannung als jenes, aber von kühlerer, vornehmerer undselbst gesunderer Geistigkeit, etwas, das seine Größe nichtim Barock-Kolosfalischen und seine Schönheit nicht imRausche sucht, eine neue Klassizität, dünkt mich, mußkommen.

Aber noch immer, wenn unverhofft ein Klang, eine be-ziehungsvolle Wendung aus Wagners Werk mein Ohrtrifft, erschrecke ich vor Freude, eine Art Heim- und Jugend-weh kommt mich an und wieder, wie einstmals, umerliegtmein Geist dem klugen und sinnigen, sehnsüchtigen undabgefeimten Zauber.

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