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Heule jedoch glaube ich nicht mehr, wenn ich es jemalsglaubte, daß die Höhe eines Kunstwerks in der Unüber-bielbarkeit seiner Wirkungsmittel bestehe. Und ich meinezu wissen, daß Wagners Stern am Himmel deutschen Geistesim Sinken begriffen ist.
Ich rede nicht von seiner Theorie. Wäre sie nicht sodurchaus etwas Sekundäres, nicht so ganz nur eine nach--krägliche und überflüssige Verherrlichung seines Talentes,so wäre sein Werk ohne Zweifel so unhaltbar gewordenwie sie, und nie hätte jemand sie auch nur einen Augen-blick ernst genommen, ohne das Werk, das sie, solange manim Theater sitzt, zu beweisen scheint, und das doch ebennichts weiter beweist als sich selber. Ja, hat überhauptje jemand ernstlich an diese Theorie geglaubt? An dieAddition von Malerei, Musik, Wort und Gebärde, dieWagner für die Erfüllung aller künstlerischen Sehnsuchtauszugeben die Unbefangenheit hatte? An eine Rangordnungder Gattungen, in welcher der „Tasso" dem „Siegfried"nachstünde? Werden denn Wagners Kunstschriften auchnur gelesen? Woher eigentlich dieser Mangel an Interessefür den Schriftsteller Wagner? Daher, daß seine SchriftenParteischriften und nicht Bekenntnisse sind? Daß sie seinWerk, worin er wahrhaftig in seiner leidenden Größe lebt,sehr mangelhaft, sehr mißverständlich kommentieren? Manmüßte diese Entschuldigung gelten lassen. Es ist wahr, mankann aus Wagners Schriften nicht viel über Wagner lernen.
Nein, ich spreche von seinem mächtigen Werke selbst, dasheute beim bourgeoisen Publikum den Höhepunkt seinerPopularität erreicht hat, von seiner Kunst als Geschmack,als Stil, als Weltempsindung. Man lasse sich nicht täu-schen durch den Begeisterungslärm der jungen Leute im