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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
Seite
361
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Welt auf meinen jugendlichen Kunsttrieb wirkten, michimmer aufs neue mit einer neidisch-verliebten Sehnsucht er-füllten, wenigstens im kleinen und leisen, auch dergleichenzu machen. Wirklich ist es nicht schwer, in meinenBud-denbrooks", diesem epischen, von Leitmotiven verknüpftenund durchwobenen Generationenzuge, vom Geiste desNibe-lungenringes" einen Hauch zu verspüren.

Lange Zeit stand des BayreulherS Name über all meinemkünstleriscben Denken und Tun. Lange Zeit schien mir, daßalles künstlerische Sehnen und Wollen in diesen gewaltigenNamen münde. Zu keiner Zeit aber, auch nicht, als ichkeineTristan"-Aufführung des Münchner HoftheateiS ver-säumte, wäre mein Bekenntnis über Wagner eigentlich einBekenntnis zu Wagner gewesen. Als Geist, als Charakterschien er mir suspekt, als Künstler unwiderstehlich, wennauch tieffragwürdig in bezug auf den Adel, die Reinheitund Gesundheit seiner Wirkungen, und nie hat meine Ju-gend sich ihm mit jener vertrauensvollen Hingabe über-lassen, mit der sie den großen Dichtern und Schriftstellernanhing, jenen Geistern, von denen Wagner als vonLiteraturdichtern" fast mitleiöig sprechen zu dürfen glaubte.Meine Liebe zu ihm war eine Liebe ohne den Glauben,denn stets schien eg mir pedantisch, nicht lieben zu können,ohne zu glauben. Es war ein Verhältnis, skeptisch,pessimistisch, hellsichtig, fast gehässig, dabei durchaus leiden-schaftlich und von unbeschreiblichem Lebensreiz. Wunder-bare Stunden tiefen, einsamen Glückes inmitten der Tkeater-menge, Stunden voller Schauer und kurzer Seligkeiten,voll von Wonnen der Nerven und des Intellekts, von Ein-blicken in rührende und große Bedeutsamkeiten, wie nurdiese nicht zu überbietende Kunst sie gewährt!