Antworten auf Rundfragen
Über die Kunst Richard Wagners
2Äag ich Richard Wagner an Kunstglück und Kunst-erkenntnis verdanke, kann ich nie vergessen und sollte ichmich noch so weit im Geiste von ihm entfernen. Prosaist,Erzähler, Psycholog, hatte ich von dem symphonischenTheatraliker, dessen dichterische Wirkung, gleich der Klop-stocks, außer dem Gebiet des Individuellen liegt, unddessen Prosastil meiner Liebe stets eine Verlegenbeik war,nichts Direktes und Handwerkliches zu lernen. Aber dieKünste sind ja nur die Erscheinungsformen der Kunst,welche in allen dieselbe ist, und Wagner hätte der großeVermischer der Künste nicht zu sein brauchen, der er war,um auf jede Art von Künstlertum lehrend und nährendwirken zu können. Was überdies meinem Verhältnis zuihm etwas Unmittelbares und Intimes verlieh, war derUmstand, daß ich heimlich stets, dem Theater zum Trotz,einen großen Epiker in ihm sah und liebte. Das Motiv,das Selbstzitat, die symbolische Formel, die wörtliche undbedeutsame Rückbeziehung über weite Strecken hin, — daswaren epische Mittel nach meinem Empfinden, bezauberndfür mich eben als solche; und früh habe ich bekannt, daßWagners Werke so stimulierend wie sonst nichts in der