Mitteilung an die LiteratnrhisiorischeGesellschaft in Bonn
Bor einiger Zeit veranstaltete die Zeitschrift „Nord undSüd" eine Enquete über das Theater. „Was haltenSie vom Theater? Glauben Sie an den Kulturwert un-seres heutigen? Was verdankt ihm Ihre Bildung, Ihrekünstlerische Entwicklung?" So, — oder so ähnlich — wurdeauch ich gefragt. Nun weiß ich wohl, daß ich es mir eigent-lich ein für allemal verbieten sollte, mich aus solche Dingeeinzulassen; weiß aus wiederholter Erfahrung, daß eine michselbst einigermaßen befriedigende Beantwortung solcher Fra-gen mich unverhältnismäßig viel Zeit und Nervenkraft kostet;daß ich bei der Schriststellerei das peinvolle Gefühl nicht loswerde, mich ganz unnütz zu kompromittieren, und daß ichalso viel klüger täte, bei meiner „Musik" zu bleiben. Aberes hilft nichts: Obgleich die Ernüchterung, der Katzenjammer,das Gefühl der Entkräftung und der Reue nach jedem An-falle stärker wird, scheint es, daß ich das Schriftstellern nieganz werde lassen können. Ich werfe mich von Zeit zu Zeitmit einer Leidenschaft darauf, die ich beim „Musizieren"einfach nicht kenne, — einer für mein Künstlertum desio