Über einen Vortragskünjtler
Ludwig Hardt zu hören, ist ein starkes, seltsames Erlebnis.Man hat ihn den Erben Milans genannt — womit manihm Ehre erwies, ohne ihn eben zn kennzeichnen. Er ist esals Rezitator überhaupt, als vollkommener Meister desWortes; aber menschlich, seelisch, geistig, ich möchte selbstsagen: sittlich trennen Welten den scharfen, schwarzen,glühenden, von Geist und Talent besessenen kleinen Mannvon seinem Vorgänger, jenem Frommen, Lauteren, Treu-gesinnten, der uns mit dem „Siebzigsten Geburtstag" zuTränen erfreute. Innigkeit oder Glut und Flammen: werwill sagen, was das Bessere, menschlich Stärkere, Tiefereist? Hardt wird Johann Heinrich Doß wohl niemalssprechen, so wenig, wie unserm Milan Heines Revolutions-lyrik recht aus der Seele gekommen wäre. Der Idyllikerund der Empörer, was sie verbindet, ist nichts als dasTalent, welches bei Hardt grotesker in die Augen springt,wahrscheinlich weil es, ehrgeizig-höchster Vergeistigung un-geachtet, tiefer im Primitiv-Komödiantischen wurzelt undaus diesem Grunde den Stempel des Genialischen trägt.
Sein Lieblingsautor scheint Heine zu sein. In Zimmerund Saal habe ich ihn diesen Dichter erneuern hören, undhier wie dort war eg nicht Verliebtes noch Romantisch-