Druckschrift 
Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
Seite
314
Einzelbild herunterladen
 

3-4

eins. Die Form ist der Gedanke, und dieser entspringt mitihr.Die Form", hat ein Dichter gesagt,ist nichts alsder Kontur, der den lebendigen Leib umschließt." Auchweiß der Ausleger von diesem EinheitSzauber wohl, sonstwürde er nicht von einemoriginalen" Gedankeninhalt,stakt etwa vonneuen" Gedanken sprechen. Er weiß, daßes keine neuen Gedanken gibt, daß aber ein Gedanke Origi-nalität, das heißt Ursprünglichkeit, geistige Einmaligkeit,geistige Eigentümlichkeit gewinnt kraft des persönlichen Er-lebnisses, das die Sprache schöpferisch beseelt und das Ge-dicht zeitigt, das urheberrechtlich geschützte Geistesprodukt,stelle dieses auch nur alsbloßer Vertrauensbrief" sich dar.

Nichts ist gewisser, als daß die in Bismarcks Erinnerungenverflochtenen Fürstenbriefe zu den Produkten gehören, aufwelche der reichsgerichtliche Kommentar die Wirkung desSchutzparagraphen nicht erstreckt wissen will. Diese Briefe sindSchulbeispiele solcher Produkte, diezwar von historischem undpsychologisch-biographischem Interesse und darum literarischverwertbar, aber ohne eigentliche literarische Bedeutung unddarum nicht schutzberechtigt sind. Die Gegner der Veröffent-lichung mögen welches Gesetz immer zu ihren Gunsten anrnfen auf dieses können sie sich unmöglich stützen; und die bis-her in dieser Sache gefällten Erkenntnisse sind meiner Über-zeugung nach rechtsirrtümlich und nicht zu halten. Das öffent-liche Interesse daran, daß das Wort Bismarcks, der letztenVerkörperung großen Deutschtums, nicht länger verheimlichtbleibe, wird auch für den Nichtjuristen an humaner Würdenoch übertroffen durch das andere, daß ein klar gesinntesund obendrein mit Geist und Gefühl erläutertes Gesetz keinefalsche, objektiv mißbräuchliche Anwendung erfahre.

Ig2I