Mutter, eine geborene von Cramer, die Tochter eines est-ländischen Gutsbesitzers. Nach dem Tode des Vaters,1696, siedelte die Familie nach Jena über, wo Erich dieunteren Klassen des Gymnasiums besuchte. Als Ober-tertianer kam er in das Landerziehungsheim zu Haubindaund blieb dort bis zur Oberprima. Zum Abiturium be-reitete er sich in Jena privatim vor, indem er gleichzeitigeinige Kollegien an der Universität besuchte. Die kunst-historischen Vorlesungen Botho Graafs, mit dem er seitjener Zeit persönliche Beziehungen unterhielt, fesselten ihnbesonders, und dem Einfluß dieses Professors war es zu-zuschreiben, daß der junge Mendelssohn sich nach bestan-denem Examen, Igci6, in Berlin dem Studium der Kunst-geschichte widmete, obgleich er längst wußte, was sein Be-ruf und Schicksal sei, was er einzig wolle und müsse:schreiben . . . Und es begann das hin und her zuckende,experimentierende, nervös-vorläufige, unregelmäßige Daseindes werdenden Schriftstellers, der für seinen Beruf nochunreif ist und sich zu jedem anderen doch unfähig fühlt.Er lebte in Paris, er „studierte" in München. Dort sahich ihn manchmal: Ein großer, dunkler und hagerer, fastschöner Mensch mit Adlernase und von einer gewissen be-drängten Leidenschaftlichkeit des Wesens, kam er und brachteVerse, rodomontierte knabenhaft von Zusammenstößen mitApachen. Seines Berufes schien er gewiß zu sein; wenig-stens gehörte er nicht zum Schlage derer, welche die Ver-antwortung für das Wagnis des eigenen Lebens auf andereabwälzen und sich den Beruf zum Dichter von außenattestieren lassen möchten. Er wußte wohl, daß dazu nie-mand ernstlich imstande ist, daß solcher Beruf sich einfacherweisen müsse. „Talent" ist bei einem Zwanzigjährigen
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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
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299
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