28l
mar er als Erzieher tätig, und ich glaube es wähl, daß dieJungen an diesem Lehrer gehangen haben. Ich habe ihnja mit Kindern gesehen: niemand verstand es besser, mitihnen umzugehen. Er hatte eine Art, mit ihnen zu sprechenund ihnen zuzuhören, — eine vollkommen unironische, allemfreundlichen Erwachseuen-Hochmut ferne, ernste, taktvollsich gleichstellende Art, die wiederum human im schönstenSinne des Wortes war.
Daß dieser blühende Mensch dahin, schon dahin seinsoll, — wir fassen es nicht. Aber wenn er ain Leben hing,wenn er gern gelebt hätte, ich glaube nicht, daß der Todihm als ein Fremder erschienen ist. Er war ein Dichter,und solche pflegen mit dem Tode auf vertrautem Fuße zustehen; denn wer so recht der Vertraute des Lebens ist, derist auch derjenige des Todes. Ein Philosoph hat gesagt,daß ohne den Tod auf Erden schwerlich philosophiert wer?den würde. Es würde schwerlich gedichtet werden ausErden ohne den Tod. Wo wäre der Dichter, der nichttäglich seiner gedächte — in Grauen und in Sehnsucht?Denn die Seele des Dichters ist Sehnsucht, und die letzte,die tiefste Sehnsucht ist die nach Erlösung.
Wer „Mao" schrieb, der kannte längst jederlei Müdig-keit, jederlei Heimverlangen — lange vor jener wundervollenTräumerei, die er zuletzt unter den, Titel „Reguiern" i»der Münchener „Jugend" veröffentlichte. Man Hot Todes-ahnung in diesem Gedicht gefunden. Aber ist nicht mehr,ist nicht Todessehnsucht darin? Der Tod erscheint hiereigentlich nicht als epische Lösung und Notwendigkeit, erijt novellistisch kaum gerechtfertigt, die kleine Dichtung istinnerlich kauin komponiert, sie ist nichts als eine lyrischePhantasie vom Tode, und ihr Held, jener Künstler, in