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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
Seite
266
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darf nicht fragen: Was bist Du? Sondern nur: Was HaftDu? Welche Einsicht, welche Kenntnis, welche Fähigkeit,wieviel Vermögen? Wenn der Edelmann durch die Vor-stellung feiner Person alles gibt, so gibt der Bürger durchfeine Persönlichkeit nichts und soll nichts geben . . . Jenersoll tun und wirken, dieser soll leisten und schaffen; er solleinzelne Fähigkeiten ausbilden, um brauchbar zu werden,und es wird schon vorausgesetzt, daß in seinem Wesen keineHarmonie sei, noch sein dürfe, weil er, nm sich auf eineWeise brauchbar zu machen, alles übrige vernachlässigenmuß." Hier ist eine unsterbliche Bestimmung der Bürger-lichkeit und ihres menschlichen Mangels, ihres Mangelsan Menschlichkeit, an Vollendung gegeben, eine Bestimmung,die man wohl zur Erklärung der Tatsache heranziehcn kann,daß ein Denker adligen Geblütes es ist, der in Deutschland,dem bürgerlichen Lande par excsllencs, dem Landederexzentrischen Geistesbetätigung", der Disharmonie, der frag-mentarischen Menschlichkeit, auf Ganzheit, aufpersonelle"Vollendung, auf die Harmonie von Erkenntnis und Sein,ans Weisheit dringt. Aber Goethes Meister selbst, dernuneinmal gerade zu jener harmonischen Ausbildung seiner Na-tur, die ihm seine Geburt versagt, eine unwiderstehliche Nei-gung hat", er selbst ist ja ein Bürger und ein Deutscher;und irgendwo in Ihren Schriften sprechen Sie es aus, daß,sowenig das deutsche Volk zu einem aristokratischen Mensch-heitsideal berufen scheine, es doch in Form der Sehnsuchtaristokratischer empfinde, als irgendein anderes.Mehrals jedem anderen Menschen", sagen Siefehlt dem Deut-schen der unwillkürliche, selbstverständliche lebendige Zu-sammenhang von Denken und Sein, was ihn bald un-praktisch, bald blind beschäftigt, bald zum Ideologen, bald