Einbeit und Überlieferuugsdichtigkeit. Auch sind sie ja eigent-lich alle auf einmal da, diese Meister und Genien, sie reicheneinander die Hände, ihre Lebenokreise überschneiken einanderzu großen Teilen. Gogol hat dem großen Puschkin ansseinem Roman vorgelesen, und Puschkin hat sich geschütteltvor Lachen, bis er plötzlich traurig wurde. Lermontow istZeitgenosse ihrer beider. Turgenjew, wag inan leicht ver-gißt, da sein Ruhm, wie derjenige Dostojewskijs und Tol-stois, der zweiten Halste des ig. Jahrhunderts angehört,kam nur vier Jahre nach Lermontow zur Welt und warzehn älter als Tolstoi, den er aus dem Sterbebette beschwor,„zur Literatur zurückzukehren". Und der uns ganz nahe,lebendige und hochmoderne Ssologub hat mit Turgenjew20 Jahre lang die Zeitlichkeit geteilt und ist nur i l Jabrenach Gogols Tode geboren!
Historisch und vor modern mutet im Grunde nur Puschkinuns an, — der Goethe des Ostens. Er bildet eine Sphärefür sich, eine sinnlich strahlende, eine naive, heitere undpoetische Sphäre. Mit Gogol setzt aber sofort das ein,was Mereschkowskij die „Kritik" oder den „Übergang vomunbewußten Schassen zum schöpferischen Bewußtsein" nenntund was ihm zwar das Ende der Poesie im PuschkinschenSinn, aber zugleich den Anfang von etwas Neuem, sehrZukünftigem bedeutet. Mit einem Wort, von Gogol anist die russische Literatur modern; eg ist mit ihm alles auseinmal da, was seither so dichte Überlieferung in ihrer Ge-schichte geblieben ist: statt der Poesie der Kritizismus, stattder Naivität die religiöse Problematik und statt der Heiter-keit die Komik. Namentlich diese. Seit Gogol ist dierussische Literatur komisch, — komisch aus Realismus, ausLeid und Mitleid, aus tiefster Menschlichkeit, aus satirischer