Onkelgüte gegen ein paar Kinder, ein Reisemalheur,eine hingeworfene Bemerkung gelegentlich eines Buches,ein Scherz unter Freunden, Muße und Langeweile, — dassind äußerst bescheidene Anlässe und Beweggründe für dasEntstehen einer Dichtung, die man unsterblich nennen darf.Freilich, so entstehen Geschichten. Aber die Geschichte, diehier entstand, erhielt unter den Händen eines Dichters dieEigenschaften, eine Welt zu ergötzen. Franzosen und Eng-länder, Holländer und Spanier übersetzten sie, Amerikadruckte sie England nach, und in Deutschland ward sie mitden Zeichnungen des Dickens-Illustrators Cruikshank wiederaufgelegt. Hofsmann, als man sie ihm vorlas, soll außer sichvor Vergnügen und Spannung an des Lesenden Lippengehangen haben. Das ist sehr glaubhaft.
Sind ein paar Erinnerungen, ein paar Hinweise imvoraus auf die Reize der Erzählung erlaubt? Zunächst:man hat den „Schlemihl" ein Märchen, ja, indem mansich auf des Dichters lässige Erklärung berief, er habe ihnfür die Kinder eines Freundes geschrieben, sogar ein Kin-dermärchen genannt. Er ist es nicht, ist, obgleich auf un-bestimmtem Grund und Boden spielend, zu novellistischerRatur, bei allem grotesken Einschlag zu ernst, zu modern-leidenschaftlich, um der Gattung des Märchens eingeordnetwerden zu können, und er eignet sich aus denselben Grün-den nach unserer Meinung und Erfahrung nicht sonderlichfür Kinder. Ganz realistisch und bürgerlich hebt die Er-zählung an, und die eigentliche Kunstleistung des Verfassersbesteht darin, daß er die realistisch-bürgerliche Allüre bisans Ende und beim Dortrage auch der sabelhaskesten Be-gebnisse mit aller Genauigkeit festzuhalten weiß: dergestalt,daß Schlemihls Geschichte wohl als „wundersam" im Sinne