einem Mittel zum Selbstzweck werde. „In den Meister-werken", sagt er, „wäre eg unmöglich, einen Rollentauschvorzunehmen, und den einen sagen zu lassen, was der an-dere sagt, so fest ist die Diskussion den Menschen verhaftet,nur um der Menschen willen erfunden, nur Modellierungder Menschen. Im „Stechlin" könnte solcher Tausch durchdie ganze Ausdehnung des Buches statlsinden, ließen sichdie weitgehendsten Umstellungen vornehmen, ohne daß einwesentlicher Schade angerichtet würde." — Das ist viel ge-sagt, kühn behauptet. „Ich bin," schrieb Fontane, noch1662, — „auch darin meine französische Abstammung ver-ratend — im Sprechen wie im Schreiben ein Causeur; aberweil ich vor allem ein Künstler bin, weiß ich genau, wo diegeistreiche Causerie hingehört und wo nicht." Es ist vonvornherein unwahrscheinlich, daß jemand, der einmal einKünstler gewesen ist, lediglich aus Greisenalter in einemGrade, wie Wandrey es wahrhaben will, zum Unkünstlerwerden könne; und der praktische Versuch mit dem Rollen-tausch und den „weitgehendsten Umstellungen" würöe kaumsehr schlagende Ergebnisse zugunsten unseres Kritikers zei-tigen, — wobei inan nicht so weit zu gehen brauchte, dieSchwester Domina oder die Jppe-Büchsenstein sagen zulassen, was der alte Stechlin sagt. Eine gewisse Undifferen-ziertheit des Dialogs, die freilich von Unkunst recht weit ent-fernt ist, jene Neigung, die er Gottfried Keller zum Vorwurfmachte: nämlich die ganze Gotteswelt seinem Tone zu über-liefern, ist von allem Anfänge an bei Fontane zu beobachten,und immer war sein Gespräch in mindestens so hohem GradeMullk, als es Personenrnoöellierung und indirekte Charak-teristik war, — im „Stechlin" hat sich dagegen nicht viel ge-ändert, und die Grenze zwischen Dialog als Selbstzweck und
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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
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109
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