Ich habe mich bei Wandreys „Effi Briest"-Betrachtunglange und beifällig verweilt. Ich habe mit ihm zu redenin betreff seines Kapitels über den „Stechlin", — es wirddeni Buche nicht, wird jedenfalls meinen Empfindungen fürdas Buch nicht gerecht und läuft allzusehr, wie mir scheint,auf ein Vorweifen von Verfalls- und Derarmungsmerk-malen hinaus. Ich kann den Verfasser genau und un-mittelbar kontrollieren in diesem Fall; es find wenige Wochen,daß ich, einer Krankheit fei es gedankt, Fontanes Spätlingwieder las. Ich war entzückt, verzaubert. Ein Wort, dessenUnverdeutfchbarkeit einem Einwanö gegen unsere Sprachegleichkommt, war mir beständig auf den Lippen: dag Wort„sublim". Wahrhaftig, wenn das Verfall ist, so ist es derehrwürdig-liebenswerteste Verfall, der je da war, und zu-gegeben, daß es sich hier nicht mehr um ein Alterswerk(denn das heißt bei Fontane: Gipfelwerk), sondern um einGreiseuwerk mit dem Gepräge eines solchen handelt; zu-gegeben ferner, daß ich mir einer Schwäche für großeGreifenwerke bewußt bin, für ihr Geheimnis, ihren schonmechanisch gewordenen Symbolismus, ihr magisches Zere-moniell, ihre träumerische Anämie, ihre majestätische Müdig-keit; so frommt es doch wenig, bei der — mit dem altenDubslav zu reden — celesten Lebensmusik dieser Plaudereien„Gestaltungskraft" z» dozieren. Man möge es tun, da kri-tische Pflicht es gebeut. Aber man tue es unter dem stetenVorbehalt innigster Neigung und Ehrfurcht, — einem Vor-behalt, den unser Autor mir entschieden nicht nachdrücklichgenug zu wahren weiß.
Er weist, wie gesagt, das Erlahmen der Gestaltungskraftnach, den Bankerott von Fontanes Gesprächstechnik, derdarin bestehe, daß diese Technik sich verselbständige, aus