äußerste Konzession, eine notwendige Konsequenz, die seinWirkiichkeitssinn sich schmerzvoll abgerungen habe. WagJnnstetten in der großen Gesprächsszene mit Wüllersdorfüber die gesellschaftliche Ordnung, über die Abhängigkeitdes Einzelnen vom Ganzen und über die Macht der Über-einkunft sagt, das ist, so stellt Wandrey fest, tiefster Fon-tanischer Glaube. Und nur durch den Umstand, daß Jnn-stetlen es ausspricht, daß also dieses Bekenntnis zur Ord-nungswelt aus einem Munde kommt, der nur noch einertönenden Scbelle gleicht, wird es auf eine geheime, ironischeund dichterische Weise in Frage gestellt.
Auf eine dichterische. Denn was wäre Dichtung, wennnicht Ironie, Selbstzucht und Befreiung? RevolutionäreZeiten legen die Frage nahe, ob nicht die Kunst jenes nichtzu bezweifelnden Fundamentes, der festen Gebundenheiten,Gegebenheiten und „Abhängigkeiten" notwendig bedürfe,durch die ein sittliches Leben mit seinen Konflikten überhaupterst möglich wird und Begriffe wie Schuld, Sühne usf. nurerst einen Inhalt gewinnen. Aber Werke wie „Efsi Briest"lassen in ihrem Zwielicht die dichterischen Reize und Möglich-keiten erkennen, die sich aus dem Zweifel, dem in Frage ge-stellten Glauben, dem bedrängten Konservatismus ergeben,— ja, in ihrem Anblick möchte man sagen, daß weder gläu-bige Beschränktheit noch auch Freiheit als Libertinage, son-dern einzig der Zweifel und die Bedrängnis eigentlich frucht-bar seien. Freiheit, — es gibt sie nicht einmal; und gäbees sie, so wäre sie steril, denn sie ist nicht Kampf, nicht Ab-schied, nicht Not und Mühsal, nicht Zweifel. Sittlichen Be-lang hat sie nur, sofern sie wehtut, als äußerste Konzession,als notwendige, dem Wahrheitssinn schmerzlich abznringendeKonsequenz. Freiheit ist gar nichts. Befreiung ist alles. —