102
in acht unglaublich sicheren Versen, oder Anekdotisches wie„Deck, jung noch, kam zum alten Reil" und ,,IUr6 butüon't Kurt tks tlag", Dinge, für die ich das Schottischeund das Märkische darangebe und von deren unzerstörbareinprägsamem Zauber und hochpersönlichein Tonfallvr. Wandrey mir nicht genug zu sagen und zu singen weiß.Übrigens sind sie der Fontaneschen Prosa, nämlich derAlterSprosa, sehr nahe, — und nochmals: der Prosaiker istes, den wir Heutigen sehen und meinen; sein erzählendesWerk ist eine wichtige, nicht wegzudenkende Etappe in derGeschichte des deutschen Romans, einer Geschichte, die mitdeutscher Entwicklung überhaupt, mit der Geschichte deutscherKultur und Zivilisation tiefer verflochten ist, als viele wissen.
In fünf Teilen baut unser Buch sich klar und zwanglosaus. Aus einem halben Hundert Seiten wird, als Basis,die äußere Lebensgeschichte gegeben, von der Kinderzeit desApothekersohnes in Swinemünde bis zu den späten, stillen,eintönigen Tagen, wo der im Herzen schon Müde, nachaußen schon Absterbende in zähem Gleichmaß der Tätigkeitsein Äußerstes, Spätestes, Neuestes und Höchstes gibt, ohneBitterkeit gegen sein Schicksal, das er als ein Wissendermit seinem Ich identifiziert, in der Erkenntnis:
„Und sollt ich noch einmal die Tage beginnen,
Ich würde denselben Faden spinnen" —:
ein knapper Versuch über die geistige Persönlichkeit schließtsich an, der Fontanes Weltanschauung und sittliche Grund-lagen, seinen Begriff der Ordnung, seinen liberalen Kon-servativismus, seine Bourgeois-Feindschaft, seinen Glaubenan den großen Einzelnen, „den Licht- und Flammenträger",der „die ganze Geschichte mal wieder aus ihrer Misereherausreißt", endlich sein strenges und wissendes Verhältnis