Fontane hat, wie Briefstellen lehren, als Greis vonFriedrich Nietzsche noch einiges Schlagroorthafte, dag popu-lär durchsickerte, von weitem erfahren, und sehr lohnendwäre es, von den Veränderungen der Atmosphäre, denneuen oder erneuerten Möglichkeiten steiler Gebärde, tra-gischer Jcherfülltheit, grotesk-heroischer Haltung zu reden,die das Lebensschauspiel dieses selbst noch im Bürgerlichenwurzelnden Geistes erzeugt hat, — und auch vom demo-kratisch-zeitläufigen Mißbrauch solcher Möglichkeiten. ImAugenblick sei nur erinnert, daß Avantagen der Zeit nichtsmit dem Range zu tun haben, woraus folgt, daß unbe-dingten Künstlerknaben von heute, die meinen, über Fontanedie Achsel zucken zu dürfen, weil er ein Bürger war, einshinter die Ohren gehört. WandreyS vierhundertseitigesWerk ist, rein als Faktum, erfreulich, indem eg bekundet,daß einem strengerzogenen Kunstbetrachter und Angehörigender jüngsten Literaturgelehrten-Generation das Leben undWerk des Alten als ein würdiger, ein lebensunmittelbarer,kultnrwichiiger Gegenstand erschien.
Das kluge, gediegene und liebevolle, dabei in seiner Rededie richtige Tonhöhe wahrende und in kritischen Einzel-heiten sehr feine Buch, will, wie es im Vorwort heißt, dagFontanebilö dieser Gegenwart einfangen, und dag heißt: esdient in der Hauptsache und fast ausschließlich dem Epiker,denn dieser ist es, der lebt und gilt. Die FontanescheVerokunst, man sieht es heute wohl, liegt nicht auf dergroßen Linie deutscher lyrischer Entwicklung, — obgleich ichdafürhalte, daß in einer Anthologie, die nicht von falscherFeierlichkeit beherrscht wäre, zwei oder drei seiner Alters-KnitkelverSgedichte nicht fehlen dürsten: „Lebenswege" etwaoder „Fester Befehl", oder jene Personifikation des Publikums