Unberührtheit seines Zentrums von peripherer Verelendungund Derpöbelung bekundet. Wo wäre Deutschland heute— wo, wenn nicht hier, in diesen Büchern? Und, Gottstehe uns bei, wir hatten kein anderes im Sinn, als wir,mühselig und verworren, den deutschen Geist gegen dasNein der Fremden zu behaupten uns kindlich verbundenhielten.
Ist es Vorliebe für seinen Gegenstand, was mich in Ver-suchung führt, das Buch von Conrad Wandrey, „TheodorFontane" in so vornehme Nachbarschaft zu bringen? Zummindesten ist es sein Gegenstand nicht, der mich daran hindernmüßte. Der junge Literarhistoriker, der es schrieb, begannmit einer Monographie über Stephan George, — von deinfeierlichsten der Geister also wandte er sich zu dem, der„mangelnden Sinn für Feierlichkeit" einen schicksalbildendenGrundzug seines Wesens nannte. Aber der positiv-sittlicheSinn und Wert dieses Mangels für die bürgerlichen Jahr-zehnte, deren Angehöriger und Gestalter Fontane war, ist heuteerkannt, — am schönsten von einer Frau, Helene Herrmann,deren Studie über „Efß Briest" Wandrey in seinem Bucheanführt, und die über Fontanes Verhältnis zum Heroischenund zur Größe gesagt hat: „Diese Selbstbewachung, diesLeisewerden aus Ehrfurcht vor der Wirklichkeit und ausScheu vor der lügnerischen Phrase und angemaßker Pom-posüät ist uns heute kein levter Wert mehr, aber als eineabwartende und vorläufige Haltung ein beträchtlicherZwischenwert in unserer ethischen Skala. . . Das sichereStilgefühl für die eigene Natur, dag grenzbewußte Nicht-mehrseinwollen als man ist, das ober auch ganz und garin jedem Zuge verwirklicht — diese Noblesse einer wissendenund leidenden Zurückhaltung ist in sich ein lebendiger Wert."