sie besitzen, und so hat mau schließlich seinen Glück- undFreudeertrag >vie anscheinend Bevorzugtere."
Dennoch: wie obsolet, wie altfränkisch mutet dies äußer-lich kleinbürgerliche und enge Leben in seiner pauverenLoyalität uns Heutige a»! Die Zeiten haben sich gewandelt,die Mächte der Gesittung, die man die „destruktiven" nennt,sind in so siegreichem Vormarsch gegen die „etablierten", dieRangstellung der Kunst, die Geltung des Geistes haben sichin dem Grade erhöht, daß eine Unterwürfigkeit wie dieFontanes uns fast kümmerlich dünkt. Was sind uns Ordenund Titel? Wer wünscht sie sich, um respektvoller angegucktzu werden? Das soziale Befinden des Geistesmenschen,des nicht „Eingereihten", hat sich in sichtbarster Weise ge-bessert. „Keiner ist der Tor, sich dieses Zeichens ohne Notzu rühmen"? In München ward kürzlich ein Hochstaplergefangen, der sich ins Fremdenbuch eines noblen Hotelsals „Schriftsteller" eingetragen hatte. Wir können nichtmehr verlangen . . .
Aber Fontanes Bescheidenheit wurzelte tiefer als imSozialen, sie war ein Ergebnis jener letzten Künstlerskepsis,die sich gegen Kunst und Künstlertum selber richtet und vonder man sagen kann, daß alle Künstleranständigkeit in ihrberuht. Es ist sehr erheiternd, aber doch nicht ohne einenAnflug von Koketterie, wenn er an seinem siebenzigstenGeburtstag die Leute sagen läßt: „Und eigentlich ist es dochein Jammer mit ihm; er hat nicht mal studiert," — oderwenn er sich weigert, zur Einweihung deS Goethe- undSchillerarchivs nach Weimar zu kommen, weil er dort allzu-sehr Gefahr laufe, mit einem lateinischen „oder selbst grie-chischen" Zitat wie mit du auf du angeredet zu werden,wobei er immer das Gefühl habe: „Erde, tu' dich auf!"