Druckschrift 
Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

war eine sehr delikate, künstlich zubereilete Haut, fast sofein als die Epidermis, und ließ Augen, Mund und Ohrenganz frei. Ans dieser Haut zeichnete man mit geschickterHand die Züge nach, welche eine Rolle charakterisierensollen . . . Die Bewegungen der Seele wurden unter dieserdünnen, fast durchsichtigen Hülle nicht erstickt. . . Zudemmalen sich die Lebhaftigkeit und das Gewirre der Leiden-schaften meistens am Mund und in den Augen; sie wurdenvon der Stimme und der Gebärde unterstützt, und viel-leicht vermehrte sogar eine kleine Hindernis die Bemühungdes Schauspielers. Weil er auf der einen Seite verlor,so war er darauf aus, auf der anderen so viel bereiter zusein. Einige feine Schattierungen konnten schon aufgeopfertwerden: dafür muß man aber auch das genaue Verhältnis,das zwischen der Gesichtsbildung und dem Charakter war,ein kostbares Verhältnis, das die Täuschung hervorbrachkeund unterhielt, nicht für etwas Geringes halten." Selbstin Frage gestellt, ob das alles heute noch wissenschaftlichzutrifft, ist es nicht sehr bemerkenswert? Zweifelloshat dieser gepuderte alte Herr vollkommen recht, wenn ersagt, daß die Griechen,zu eifersüchtig auf ihr Vergnügen,zu verliebt in eine Kunst waren, die mit ihrer Politik undReligion zusammenhing, als daß sie nur so obenhin denGebrauch der Masken eingesührt hätten, wenn die Er-fahrung sie nicht gelehrt hätte, daß die Kunst dabei ge-winnt." Und er hat ebenfalls recht, wenn er hinzufügt,daß maneine Gewohnheit, deren (wie die Geschichte sagt)erstaunliche Wirkung man nicht gesehen hat, nicht als ab-geschmackt und lächerlich verdammen" dürfe. Ich halte eskeineswegs für ausgeschlossen, daß die Schaubühne derZukunft gelegentlich auf die antike Maske zurückgreifen