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ekne Unterlage. Es ist das Kennzeichen jedes rechten Theater-stücks, daß man es nicht lesen kann, — so wenig wieein Opernlibrekto. Auch Shakespeares Stücke sind nichtgelesen worden, schon deshalb, weil sie lange Zeit nur alsSoufflierbüchlein vorhanden waren. Als Dichter hat er sichmutmaßlich nur auf Grund seiner Sonette und episch-lyri-schen Arbeiten gefühlt; im übrigen war er ein Schauspielerund Theaterunternehmer, der sich und seiner Truppe ausNovellen, Historien und alten Dramen ziemlich lebhafteTheaterstücke herrichtete.
Wer war früher: der Schauspieler oder der Dichter, wel-cher ihm Stücke schrieb? Die Antwort liegt in der Frage.Ursprung und Wesen alles Theaters ist die mimische Steg-reif-Produktion, und das Stück ist zunächst einmal garnichts, als ein Aktionsplan, den die Mimen sich selbst vor-zeichnen, eine fixierte Verabredung, deren literarische, dasheißt: geistig-sprachliche Eigenschaften überhaupt nicht in Be-tracht kommen. Der improvisatorische Grundcharakter allesTheaters wird klar, wo irgend das Theater sich noch naivund unumwunden als Selbstzweck und causa, sui gibt. Erwird klar bei dem geselligen Theaterspiel, wo, nach flüch-tiger Verständigung über den Hergang, jeder Mitwirkendespricht, was er mag und kann; er wird klar bei dem Ballett-Divertissement, dessen „Drama" eben nur im Kopf derarrangierenden Ballettmeisterin vorhanden ist; er wird amklarsten bei dem ursprünglichsten Dolksschauspiel, demKasperltheater, wo Goethes Auseinandersetzung zwischenDirektor, Theaterdichter und lustiger Person hinfällig ist, weilalle drei in einer Person das Spiel betreiben, — und manerinnere sich des „atemlosen" Entzückens, das Richard Wagnereines Tages angesichts solcher Volksunterhaltung empfand,