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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
Seite
40
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- Ho -

IV

Nochmals, wir wollen die Begriffe scheiden und jedem dasSeine geben. Daß das Theater die Literatur nicht nötighabe, daß man ihm eine gewisse absolute Daseinsfäkigkeitzuerkennen müsse, scheint auf den ersten Blick ein spielerischwidersinniger Satz; und doch ist es eine ganz respektableWahrheit, die man im Auge behalten muß, wenn man,wie ich, den Wunsch Hut, dem Theater gerecht zu werden.

Ein junger dramatischer Dichter, dessen sich ein Theaterangenonunen hatte, erzählte mir, die Proben seien schrecklichgewesen: Seine Dichtung sei in den Händen des Regisseursgleichsam zum Textbuch für etwas Fremdes, Anderes ge-worden, für ein Etwas, das noch gar nicht vorhanden ge-wesen sei . . . Dieser junge Autor hatte den Vorgang richtigempfunden; daß er ihm Pein machte, zeugt für die Kluft,das Mißverständnis, die Zwietracht, die zwischen Dichter-tum und Theater besteht. Aber zur Entscheidung auf-gerufen, auf welcher Seite sich in dieser Zwietracht dasRecht befinde, würde ich unbedenklich für das Theater ein-treten. Ich glaube in der Tat, daß die Dichter sich imIrrtum und überheblichen Unrecht befinden, wenn sie dasTheater als ein Instrument, ein Mittel, eine reproduktiveEinrichtung betrachten, welche ihretwegen vorhanden wäre,und nicht vielmehr als etwas Selbständiges, Selbstgenüg-sames und auf eigene Art Produktives, als ein Reich, worinsie mit ihrer Dichtung zu Gaste sind und worin diese Dich-tung zum Anhalt und Textbuch für eine in ihrer Art reiz-volle Veranstaltung wird. DasBuch" verhält sich zurAufführung" schlechterdings nicht, wie die Partitur zurSymphonie, sondern vielmehr wie das Libretto zur Oper.Die .Aufführung' ist das Kunstwerk, der Text ist nur