Sinnlichkeit zurückführen läßt: es ist nicht zuletzt das Sinn-lich-Gesellschaftliche der theatralischen Öffentlichkeit, wasmich abgeneigt macht, was ich verachte. Wie, was wirÖffentlichkeit nennen, wäre wirklich nur Wechselwirkung desSinnlichen, und ein „Mann der Öffentlichkeit" wäre not-wendig ein Mann des Marktes, des Saales, des Menschen-dunfteS? Geht mir! Es steht ganz fest, daß alle bürger-liche Öffentlichkeit, in welcher Optik, Akustik, physischeMenschlichkeit herrschen, daß Gerichtssaal, Volksversamm-lung, Theater mit ihrer dicken und törichten Atmosphäre,daß sinnliche Öffentlichkeit schlechte, dumme, unzulänglicheÖffentlichkeit ist. Die Öffentlichkeit, die ich meine, ist an-ders, ist zarter, reinlicher, weiter. Das unsichtbare, lautloseund leidenschaftliche Getriebe in den hohen Gegenden desGeistes, an dem ich teilnehme, wenn ich lese, denke undschreibe, der Zusammenklang aller Willensmeinungen undSehnsüchte der ringenden Zeit, die stille Fernwirkung desbeseelten Wortes, Freundschaften und Feindschaften überLänder und Epochen hinweg, der Name als Begriff, diePersönlichkeit als Ruhm: das ist, flüchtig bezeichnet, dieÖffentlichkeit, nach der mir der Sinn steht. Zuletzt ist sieein wenig anspruchsvoller. Man zuckt die Achseln, in dieserÖffentlichkeit, über Dinge, die im Theater zu fanatisierenvermögen . . .
. . . Was verdanke ich dem Theater? Das Erlebnis derKunst Richard Wagners; ein Erlebnis, das ich dem Theaterabgewinnen mußte und ohne das ich mein Wollen und meingeringes Vollbringen nicht denken kann. — Hat mir je dasTheater einen reinen Genuß, eine hohe und zweifellose Schön-heitserfahrung vermittelt? Nein.