^zch habe mich hier, ungelehrt, anspruchslos und für meinePerson, mit der Anschauung auseinanderzusetzen, als obdem Drama im Reiche der Dichtkunst der Vorrang ge-bühre. Ich überlege im voraus, daß heute, zur Zeit derZwischengattungen, der Mischungen und Verwischungen,des autonomen Künstlertums, — daß es heute, wo kaumGrenzen festzuhalten sind, eine Narrheit ist, auch noch vonRangordnung zu reden. Aber selbst davon abgesehen, istder Vorrang des Dramas eine Anmaßung, um es heraus-zusagen, und die ästhetischen Gründe, mit denen er ver-teidigt wird, sind akademisches Gerümpel.
„Das Drama," sagte der Oberlehrer, „ist das Höchste,denn es ist die Dichtungsart, welche die übrigen in sichvereinigt." — Sehr gewiß. Und zwar dergestalt, daß eszuweilen gerade dag Epos ist, was eigentlich aus demDrama wirkt. Ich denke an Wagner (wer dächte nichtunausgesetzt an ihn, wenn vom Theater die Rede ist?).Ich habe oft Mühe, ihn als Dramatiker zu empfinden.Ist er nicht eher ein theatralischer Epiker? KeinS seinerGebilde verleugnet im Untertone das Epos, und von denschildernden musikalischen Vorspielen zu schweigen, so habeich stets seine großen Erzählungen am meisten geliebt, ein-gerechnet die Nornenszene der „Götterdämmerung" unddas unvergleichlich epische Frage- und Antwortspiel zwi-schen Mime und dem Wanderer. Was ist der dramatischeWotan, den wir im „Rheingold" auf der Bühne sahen, ver-glichen mit dem epischen in SieglindenS Erzählung vomAlten im Hut? — Grillparzer verwarf das mehrteilige Dramaals Form. Das Drama sei eine Gegenwart, es müssealles, was zur Handlung gehöre, in sich enthalten. Die