zu rechtfertigen und zu loben, das einen Dichter auSgepfifsenhat. Er ist Nietzscheschüler und literarischer Künstler genug,um jeden Augenblick das Theater zu verachten. Er sprichtgelegentlich mit nervösem Widerwillen von der üblenAtmosphäre „euerer" Schauspielhäuser, erklärt beiläufig,ein Drama weit lieber im stillen Arbeitszimmer zu lesenals es vor bemalter Leinwand dargemimt zu sehen undist, vor allem, sofort bereit, gegenüber dem Schaffen irgend-eines TheatermanneS für seine eigene Kunstleistung — einekritische, redende Knnstleistung — mit leidenschaftlichemStolz den höheren Rang in Anspruch zu nehmen. Aberwenn er das Theater nicht liebt, wenn er nicht daranglaubt, wenn er es verachtet: warum opfert er ihm seineZeit, seine Kunst? Warum macht er nicht lieber die lyrische,novellistische Produktion zum Gegenstand seiner Analyse?Weil er das Drama für vorzüglich betrachtenswert, esstillschweigend für die höchste Gattung der Dichtkunst hält?Unmöglich! Kann jemand, der, wahrscheinlich mit Recht,bei jeder Gelegenheit darauf besteht, einen Wesensunker-schied zwischen Kritiker und Dichter nicht anzuerkennen,logischerweise an einen dichterischen Vorrang des Dramasglauben? Die Ahnen und Meister eines solchen Schrift-stellers sind selbstverständlich nicht unter den Dramatikernzu finden. Er glüht vielleicht für Flaubert, bekennt sichals Schüler irgendeines großen Prosaisten wie Jean Paul,—und wenn die Tatsache, daß er mit diesem Geschmack,dieser Herkunft ausschließlich über das Drama, und zwarüber das aufgeführte Drama, also über das Theater schreibt,sich erklären läßt, — er selbst hat niemals eine Erklärungdafür gegeben.
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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
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