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Mitternacht in alle Winde senden. In einer großen Stadthatte man das dramatische Gedicht: „Die Kronprätendenten"einer Theateraufführung zugrunde gelegt. „Die Aufführungwar ansprechend," hieß es. „Das Stück vermochte nichtzu interessieren." — „Das Stück", „vermochte nicht", „zuinteressieren". Und zwar die „Kronprätendenten". EineNachricht aus der Welt des Theaters. Eine wildfremde,unheimliche Nachricht.
Die Fremdheit, die Befremdung ist gegenseitig. WennNietzsche über das Theater bittere und tief geringschätzigeDinge sagte, wenn Maupassant erklärte: ,,Us tlrsatrsm'enrm^e," wenn Flaubert schrieb, er kehre von der Be-schäftigung mit seinem Theaterstück zu „ernsten Dingen",,,ä äss olrosss ssrisu8ss" zurück (die erstbesten Beispiele),— man gibt uns von drüben die Geringschätzung, dieLangeweile zurück. Ich sprach einmal mit einem Hoftheater-regisseur, einem Mann vom Ruf literarischen Feinstnns.Es war von dem Dänen Herman Bang die Rede. Irgendwowar ein Theaterstück dieses Romanciers aufgeführt worden.Es sei recht gut, seine erste brauchbare Leistung, sagte derRegisseur; was er früher gemacht habe, sei nichts. Ichwar verletzt und betrübt. „DH," sagte ich, „er hat wunder-volle Sachen geschrieben, — ,Tine° zum Beispiel, ,AmWege'" . . . „Ja, ja, Romane und Aufsätze, das magsein," — sagte der Regisseur.
Das Theater, das Theaterstück ist die Kunst dort drüben.Der Roman, die Novelle sogar ist Geschreibsel. Ein Theater-kritiker hat drucken lassen, in dem erzählenden Satze „Rosalieerhob sich, strich ihr Kleid glatt und sagte ,Adieu!'" seiKunst doch streng genommen nur das Wort „Adieu".Er wiederholte: „Streng genommen".