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eines Geschöpfes erfüllt hat. Ist nicht Shylock, der Jude,ein widriges und entsetzliches Wesen, das Shakespeare zuallgemeinem Jubel elend geprellt und zertreten werdenläßt? Und doch kommt mehr als ein Augenblick, wo dieAhnung einer tiefen und furchtbaren Solidarität Shake-speares mit Shylock sich austuk. . . Man muß an dieserStelle begreifen, daß es eine objektive Erkenntnis im Reicheder Kunst überhaupt nicht gibt, sondern nur eine intuitive.Alle Objektivität, alle Aneignung und Kolportage beziehtsich allein aus das Pittoreske, die Maske, die Geste, dieÄußerlichkeit, die sich als Charakteristikum, als sinnliches Sym-bol darbietet, wie Shylocks Judentum, Othellos Schwärzeund Falstasss Fett. Alles Weitere — und das Weitere istbeinahe alles — ist subjektiv, ist Intuition und Lyrik, gehörtder wissenden und umfassenden Seele des Künstlers. Undwenn es sich nun um ein Porträt, ein Abbild handelt, —wie? sollte nicht das, was ich die subjektive Vertiefungeiner Wirklichkeit nenne, dem Vorgang alles Willkürlicheund Usurpakorische nehinen? Sollte nicht das innere Eins-werden des Dichters mit seinem Modell aller Kränkung dieSpitze abbrechen?
Im Gegenteil. So erstaunlich es klingen mag: Imscheinbar Versöhnlichen gerade, dem eigentlich Dichterischen,der subjektiven Vertiefung, der Benutzung eines Porträtszu höheren Zwecken, liegt die menschliche Gefahr beschlossen,und ich stelle dies fest, weil ich von dem Glauben nichtlassen mag, daß böse und stumme Dinge erlöst und gutgemacht werden, indem man sie ausspricht. Die Identi-fikation ist es eben, welche die Leute skandalisiert. Mitjener erwähnten Folgsamkeit dem gegebenen Detail gegen-über eignet ein Dichter sich Äußerlichkeiten an, welche der