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Rede und Antwort : gesammelte Abhandlungen und kleine Aufsätze
Entstehung
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Und war dann tief erstaunt, als ich vernahm, daß es inLübeck Aufsehen und böses Blut mache. Was hatte daswirkliche Lübeck von heute mit meinem in dreijähriger Arbeiterbauten Werk zu tun? Dummheit . . . Wenn ich auseiner Sache einen Satz gemacht habe was hat die Sachenoch mit dem Satz zu tun? Philisterei. . . So aber istes auf jeden Fall, und nicht nur, wenn Jahre und Breiten-grade das Urbild vom Werke trennen. Die Wirklichkeit,die ein Dichter seinen Zwecken dienstbar macht, mag seinetägliche Welk, mag als Person sein Nächstes und Liebstessein; er mag dem durch die Wirklichkeit gegebenen Detailnoch so untertan sich zeigen, mag ihr letztes Merkmal be-gierig und folgsam für sein Werk verwenden: dennoch wirdfür ibn und sollte für alle Well! ein abgründigerUnterschied zwischen der Wirklichkeit und seinem Gebildebestehen bleiben: der Wesensunterschied nämlich, welcherdie Welt der Realität von derjenigen der Kunst aus immerscheidet.

Um aber auf dieBeseelung" zurückzukommen, so istsie zuletzt nichts anderes, als jener dichterische Vorgang,den man die subjektive Vertiefung des Abbildes einer Wirk-lichkeit nennen kann. Es ist bekannt, daß jeder echte Dichtersich bis zu einem gewissen Grade mit seinen Geschöpfenidentifiziert. Alle Gestalte» einer Dichtung, mögen sie nochso feindlich gegeneinander gestellt sein, sind Emanationendes dichtenden Ich, und Goethe ist zugleich in Antoniound Tasso lebendig wie Turgenjew zugleich im Basarostund Paul Petrowitsch. Eine solche Identität aber ist,wenigstens momentweise, auch da vorhanden, wo der Lesersie gar nicht spürt, wo er darauf schwören möchte, daßnichts als Hohn und Abscheu den Dichter bei der Gestaltung