43
Wie ich durch Saal's Gedränge streif,
Entfällt mir just die Schleife blau,
Und wie nachher zurück ich schau,
Der Kaiser hob die Schleife aufUnd führte sie zum Munde —
Mir ward ganz flau — und küßte draufSich fast die Lippen wunde.
-LMa.
Kann's nicht vielleicht ein Jrrthum sein?
Adelaide.
Ach — wollt' es Gott! — doch nein — doch nein —Denn was passirt ist gestern Nacht,
Jedweden Zweifel schweigen macht.
Im Corridor, wo Thür an ThürWir Beide schlafen, Erika,
Hör' ich früh morgens gegen vier
Ein schleichend Geh'n — wie ward mir da!
Ich öffnete die Thür ganz leis —
Da ward's mir plötzlich kalt und heiß —
Denk' Dir — er war's! — Der Kaiser standAlldort im leichten Nachtgewand.
Ich könnt' vor Schaam mich fassen nichtUnd hielt die Hände vor's Gesicht —
Und er lief schnellen Schrittes fort.
Das erste MalHat ihn Gewissensqual
Verscheucht von meiner Schwelle heil'gem Ort.
Doch wenn's zum zweiten Mal ihn treibtHieher zu meiner Kammer —
Wenn er's Gewissen übertäubtNach Männerart — o Jammer!
Lrika.
So schiebet doch den Riegel vor!
Adelaide.
Das wäre schwarzer Hochverrath —
Die Thür verriegeln, wenn der Kaiser naht! —
Sein ist das Land mit Thür und Thor!