Der Anfang seines Unglücks war einerseits der Neid einiger seiner Mitbürger, anderseitsdie Obermacht des Standes Zürich, welcher ihm den Saltzhandel entzöge und allein führen wollte.Die Hegnerische famillie, die in Zürich wohl angesehen wäre, und eine genaue Correspondcnzzu unterhalten pflegte, warffe einen Neidischen Blick auf das Glück dieses Steiners, bemühtensich ihn zu stürtzen und brachten es vermittelst des Einlauchtenden Grundsatzes: „der Saltz-handel gebühre nicht einem Privatmann, sonder einem gantzen Stand", balddahin, dass der Steiner unwiederbringlich den Vortheil dieses Handels verlohr; Herr Steinerermanglete nicht, wieder dieses Verfahren, als eine Himmelsschreyende Ungerechtigkeit zu prote-stiren, sagende: dass ihm sein Erbtheil und väterlich erErbtes Gut mit gewalt geraubt werde, wiedem Naboth sein Weinberg, so bliebe es doch einmahl dabey: Zürich nahm ihm den Saltzhandelund machte nun eine Auflag auf das Saltz, nemmlich auf jedes Masslein einen Lucerner Bazen.Heut zu tag aber ist diese Auflag verdoppelt: Sonst wüssen die f'reyen Schweizer von KeinerAuflag als von dieser und von dem Zohl, der sehr gemässigt ist, und dass Sie Steuer und Brauchzahlen: e. gr. Winterthur forderet von dem Capital eines jeden Ibirgers jährlich 1 f; von 100 fl.Dessenohngeachtet ist vorbemelter Saltzhandel und Gabelle so beträchtlich, dass Herr Vetter Zunfft-Meister und Pfleger Friess in Zürich frey gestehet: der Stand Zürich wurde seine Staats-Ausgaabenohne die Einkünfft des Saltz Directorii nicht bestreiten können.
Mann kann sich leicht vorstellen, wie Schmertzhafft der Schlag der den Herrn Steiner,S. L. Eidgenossen und 10 bis 14 Kinder zugleich getroffen und niedergeschlagen, müsse gewesenseyn: Aus Unrauth, dass er kein Schutz noch Schirm, noch Hülfe zu Winterthur fände, und auch die-jenigen zu seinem Verderben geholffen, von dennen er Schwägerliche und treue Mittbürger und GvatterLeuth Hülf hätte erwahrten können, gäbe er sodann sein Burger-Recht förmlich auf, willens mit seinerHaushaltung an einen andern ort zu ziehen; Allein der damahlige Alt-Schultlieiss als sein HerrVater stuhnd im Rath auf, und sagte: weil er nicht hinderen könne, was sein Sohn jetz thue;so bitte er seine Gnädigen Herren, ein günstiges Einsehen zu fhun für dessen minderjährige Kinder,und wenigstens doch Ihnen das Bürgerrecht wegen Zukünfftigen Zeiten vorzubehalten, welche Vor-sicht für eine so zahlreiche Nachkommenschaft in der that ein grosses glück gewesen.
Herr Melchior Steiner bevolgte den im Unwillen abgefassten Plan, verliess seine vor-mahlige Vatter-Statt und zog mit seiner zahlreichen Hausshaltung nach Basel, kauffte eines derprächtigsten und grossesten Häuseren dieser Statt, Spiess-Hoff genannt, und führte da den Saltz-handel fort bis anno 1670, da ihm zu dieser Zeit, die erste Frau, die ihm 9 Söhne und 5 Töchtergeboren hatte, starb: Er musste nun bedacht seyn den Hindcrlassenen Hinderen eine ächte Mutterzur erziehung aufzusuchen; er erinnerte sich, eine solche Tugendhaffte Person bey seinem Processwegen dem Saltz Handel in Zürich, und zwar im Saltz Hauss selbst, bemerekt zu haben; reisetenach Zürich, gab den Ehltern Bedenckzeit, die Tochter hatte Tugend und Hertz genung gerne eineMuttor von 10 Kinden zu seyn; und bei seiner rückkonfft von Basel fand er völliges gehör, undverheurathete sich mit dieser Jfr. Tommannin, dann das war der geliebte gewehltc gegenständ,so mit ihm auf Basel reisete : nicht lange hernach trangen der neuvermählten Ehltern und Anver-wandte so hefftig in Sie, nach Zürich zu kommen um sich da niederzulassen, dass Sie entlich ein-willigten, Basel verlicssen, und zu Zürich beym Schönenberg, als Ilindersäss sich niederliesen.
Statt des Saltzhandels unternahm jetz Herr Melchior Steiner den Gold- und Silber-Gewerb; den Anlass hiezu gab ihm einer seiner Freunden, Herr Müller zu München, den erauf seinen Reisen kennen gelehrnt, und dessen Zutrauen er sich erworben hatte: Herr Müller,der schon alt und keine Kinder gehabt, hatte dem Herrn Steiner die gewüssen und sichernVortheile dieser fabricq vorgestellt; wie alles verarbeitete Gold in 4 Wochen Zeit wieder mit 1 P °/o