sterben, die Schlange an ihren Busen nahm, und wie-der bedeutete das Zitat: „Ich bin’s!“ —
Sehen Sie mir, meine Damen und Herren, das Wort„zelebrieren“ nach, das ich in diesem Zusammenhangbrauchte. Es ist entschuldbar und selbst geboten. Daszitathafte Leben, das Leben im Mythos, ist eine Artvon Zelebration 5 insofern es Vergegenwärtigung ist,wird es zur feierlichen Handlung, zum Vollzüge einesVorgeschriebenen durch einen Zelebranten, zum Be-gängnis, zum Feste. Ist nicht der Sinn des FestesWiederkehr als Vergegenwärtigung? Jede Weihnachtwieder wird das welterrettende Wiegenkind zur Erdegeboren, das bestimmt ist, zu leiden, zu sterben undaufzufahren: Das Fest ist die Aufhebung der Zeit, einVorgang, eine feierliche Handlung, die sich abspieltnach geprägtem Urbild; was darin geschieht, geschiehtnicht zum ersten Male, sondern zeremoniellerweiseundnach dem Muster; es gewinnt Gegenwart undkehrtwieder, wie eben Feste wiederkehren in der Zeit undwie ihre Phasen und Stunden einander folgen in derZeit nach dem Urgeschehen. Im Altertum war jedesFest wesentlich eine theatralische Angelegenheit, einMaskenspiel, die von Priestern vollzogene szenischeDarstellung von Göttergeschichten, zum Beispiel derLebens- und Leidensgeschichte des Osiris. Das christ-liche Mittelalter hatte dafür das Mysterienspiel mitHimmel, Erde und greulichem Höllenrachen, wie esnoch in Goethes „Faust“ wiederkehrt; es hatte die
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