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Freud und die Zukunft : [Vortrag gehalten in Wien am 8. Mai 1936 zur Feier von Sigmund Freuds 80. Geburtstag]
Entstehung
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einfach:Ich bins. Das ist die Formel des My-thos.

Das Leben, jedenfalls das bedeutende Leben, waralso in antiken Zeiten die Wiederherstellung des My-thos in Fleisch und Blut; es bezog und berief sich aufihn; durch ihn erst, durch die Bezugnahme aufs Ver-gangene wies es sich als echtes und bedeutendes Lebenaus. Der Mythos ist die Legitimation des Lebens; erstdurch ihn und in ihm findet es sein Selbstbewußt-sein, seine Rechtfertigung und Weihe. Bis in den Todführte Kleopatra ihre aphroditische Charakterrolleweihevoll durch, und kann man bedeutender, kannman würdiger leben und sterben, als indem man denMythos zelebriert? Denken Sie doch auch an Jesusundansein Leben, das ein Leben war,damit erfülletwerde, was geschrieben steht. Es ist nicht leicht, beidem Erfüllungscharakter von Jesu Leben zwischen denStilisierungen der Evangelisten und seinem Eigenbe-wußtsein zu unterscheiden; aber sein Kreuzeswort umdie neunte Stunde, diesEli, Eli, lama asabthani?war ja, gegen den Anschein, durchaus kein Ausbruchder Verzweiflung und Enttäuschung, sondern im Ge-genteil ein solcher höchsten messianischen Selbstge-fühls. Denn dieses Wort ist nichtoriginell, keinspontaner Schrei. Es bildet den Anfang des 22. Psalms,der von Anfang bis zu Ende Verkündigung des Mes-sias ist. Jesus zitierte, und das Zitat bedeutete:Ja, ichbins! So zitierte auch Kleopatra, wenn sie, um zu