körperung- entwickelte Weib repräsentiert habe. Diesesihr Aphroditentum, ihre Rolle als Hathor-Isis ist abernicht nur etwas Kritisch-Objektives, das erst von Plut-arch und Bachofen über sie ausgesprochen wordenwäre, sondern es war der Inhalt ihrer subjektivenExistenz, sie lebte in dieser Rolle. Ihre Todesart deutetdarauf hin: Sie soll sich ja getötet haben, indem siesich eine Giftnatter an den Busen legte. Die Schlangeaber war das Tier der Ischtar, der ägyptischen Isis, dieauch wohl in einem schuppigen Schlangenkleid dar-gestellt wird, und man kennt eine Statuette der Ischtar,wie sie eine Schlange am Busen hält. War also Kleo-patras Todesart diejenige der Legende, so wäre sie eineDemonstration ihres mythischen Ichgefühls gewesen.Trug sie nicht auch den Kopfputz der Isis, die Geier-haube, und schmückte sie sich nicht mit den Insigniender Hathor, den Kuhhörnern mit der Sonnenscheibedazwischen ? Es war eine bedeutende Anspielung, daßsie ihre Antonius-Kinder Helios und Selene nannte.Kein Zweifel, sie war eine bedeutendeFrau—im antikenSinn „bedeutend“ die wußte, wer sie war und inwelchen Fußstapfen sie ging!
Das antike Ich und sein Bewußtsein von sich warein anderes als das unsere, weniger ausschließlich,weniger scharf umgrenzt. Es stand gleichsam nachhinten offen und nahm vom Gewesenen vieles mitauf, was es gegenwärtig wiederholte, und was mit ihm„wieder da“ war. Der spanische Kulturphilosoph Or-