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Freud und die Zukunft : [Vortrag gehalten in Wien am 8. Mai 1936 zur Feier von Sigmund Freuds 80. Geburtstag]
Entstehung
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Menschheit stellt das Mythische zwar eine frühe undprimitive Stufe dar, im Leben des einzelnen aber einespäte und reife. Was damit gewonnen wird, ist derBlick für die höhere Wahrheit, die sich im Wirklichendarstellt, das lächelnde Wissen vom Ewigen, Immer-seienden, Gültigen, vom Schema, in dem und nachdem das vermeintlich ganz Individuelle lebt, nichtahnend in dem naiven Dünkel seiner Erst- und Ein-maligkeit, wie sehr sein Leben Formel und Wieder-holung, ein Wandeln in tief ausgetretenen Spuren ist.Der Charakter ist eine mythische Rolle, die in derEinfalt illusionärer Einmaligkeit und Originalität ge-spielt wird, gleichsam nach eigenster Erfindung undauf eigenste Hand, dabei aber mit einer Würde undSicherheit, die dem gerade obenauf gekommenen undim Lichte agierenden Spieler nicht seine vermeintlicheErst- und Einmaligkeit verleiht, sondern die er imGegenteil aus dem tieferen Bewußtsein schöpft, etwasGegründet-Rechtmäßiges wieder vorzustellen undsich, ob nun gut oder böse, edel oder widerwärtig,jedenfalls in seiner Art musterhaft zu benehmen. Tat-sächlich wüßte er sich, wenn seine Realität im Ein-malig-Gegenwärtigen läge, überhaupt nicht zu be-nehmen, wäre haltlos, ratlos, verlegen und verwirrtim Verhältnis zu sich selbst, wüßte nicht, mit wel-chem Fuße antreten und was für ein Gesicht machen.Seine Würde und Spielsicherheit aber liegt unbewußtgerade darin, daß etwas Zeitloses mit ihm wieder am

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