Verhältnis zur analytischen Sphäre sozusagen in seinakutes Stadium getreten ist. Das mythische Interesseist der Psychoanalyse genau so eingeboren, wie allemDichtertum das psychologische Interesse eingeborenist. Ihr Zurückdringen in die Kindheit der Einzelseeleist zugleich auch schon das Zurückdringen in die Kind-heit des Menschen, ins Primitive und in die Mythik.Freud selbst hat bekannt, daß alle Naturwissenschaft,Medizin und Psychotherapie für ihn ein lebenslangerUm- und Rückweg gewesen sei zu der primären Lei-denschaft seiner Jugend fürs Menschheitsgeschicht-liche, für die Ursprünge von Religion und Sittlichkeit,- diesem Interesse, das auf der Höhe seines Lebens in„Totem und Tabu“ zu einem so großartigen Ausbruchkommt. In der Wortverbindung „Tiefenpsychologie“hat „Tiefe“ auch zeitlichen Sinn: Die Urgründe derMenschenseele sind zugleich auch Urzeit, jene Brun-nentiefe der Zeiten, wo der Mythos zu Hause ist unddie Urnormen, Urformen des Lebens gründet. DennMythos ist Lebensgründung' er ist das zeitlose Sche-ma, die fromme Formel, in die das Leben eingeht, in-dem es aus dem Unbewußten seine Züge reproduziert.Kein Zweifel, die Gewinnung der mythisch-typischenAnschauungsweise macht Epoche im Leben des Er-zählers, sie bedeutet eine eigentümliche Erhöhungseiner künstlerischen Stimmung, eine neue Heiterkeitdes Erkennens und Gestaltens, welche späten Lebens-jahren Vorbehalten zu sein pflegt; denn im Leben der
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