Erleben - nicht nur des Künstlers, sondern des Men-schen überhaupt. „Viele von uns“, sagt der Verfasser,„,leben 4 auch heute einen biographischen Typus, dasSchicksal eines Standes, einer Klasse, eines Berufes...Die Freiheit in der Lebensgestaltung des Menschenist offenbar enge mit jener Bindung zu verknüpfen,die wir als ,Gelebte Vita 4 bezeichnen.“ - Und pünkt-lich, zu meinerFreude nur,kaum auch zu meiner Über-raschung, beginnt er, auf den Josephsroman zu exem-plifizieren, dessen Grundmotiv geradezu diese Idee der„gelebten Vita“ sei, das Leben als Nachfolge, als einIn-Spuren-Gehen, als Identifikation, wie besondersJosephs Lehrer Eliezer sie in humoristischer Feierlich-keit praktiziert: Denn durch Zeitaufhebung rückenin ihm sämtliche Eliezers der Vergangenheit zumgegenwärtigen Ich zusammen, so daß er von Eliezer,Abrahams ältestem Knecht, obgleich er realiter dieserbei weitem nicht ist, in der ersten Person spricht.
Ich muß zugeben: Die Gedankenverbindung istaußerordentlich legitim. Der Aufsatz bezeichnet haar-genau den Punkt, wo das psychologische Interesse insmythische Interesse übergeht. Er macht deutlich, daßdas Typische auch schon das Mythische ist und daßman für „gelebte Vita“ auch „gelebter Mythos 44 sagenkann. Der gelebte Mythos aber ist die epische Ideemeines Romans, und ich sehe wohl, daß, seit ich alsErzähler den Schritt vom Bürgerlich-Individuellenzum Mythisch-Typischen getan habe, mein heimliches