„das kranke Tier“ genannt worden um der belasten-den Spannungen und auszeichnenden Schwierigkeitenwillen, die seine Stellung zwischen Natur und Geist,zwischen Tier und Engel ihm auferlegt. Was Wunder,daß von der Seite der Krankheit her der Forschungdie tiefsten Vorstöße ins Dunkel der menschlichenNatur gelungen sind, daß sich die Krankheit, nämlichdie Neurose, als ein anthropologisches Erkenntnismittelersten Ranges erwiesen hat?
Der Dichter dürfte der letzte sein, sich darüber zuwundern. Es dürfte ihn eher erstaunen, daß er, bei sostarker allgemeiner und persönlicher Disponiertheit,so spät der sympathischen Beziehungen seiner Existenzzur psychoanalytischen Forschung und dem Lebens-werke Freuds gewahr wurde: zu einer Zeit erst, als essich bei dieser Lehre längst nicht mehr bloß um eine— anerkannte oder umstrittene — Heilmethode han-delte, als sie vielmehr dem bloß medizinischen Bezirklängst entwachsen und zu einer Weltbewegung gewor-den war, von der alle möglichen Gebiete des Geistesund der Wissenschaft sich ergriffen zeigten: Literatur-und Kunstforschung, Religionsgeschichte und Prä-historie, Mythologie, Volkskunde, Pädagogik und wasnicht alles, — nämlich dank dem ausbauenden und an-wendenden Eifer von Adepten, die um ihren psychia-trisch-medizinischen Kern diese Aura allgemeinererWirkungen gelegt hatten. Sogar wäre es zuviel ge-sagt, daß ich zur Psychoanalyse gekommen wäre: sie
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