hen, sie mit Psychologie gleichzusetzen, psychologi-schen Wahrheitswillen als den Willen zur Wahrheitüberhaupt und Psychologie als Wahrheit im eigent-lichsten und tapfersten Sinn des Wortes zu empfinden-diese Neigung, die man wohl naturalistisch nennenund der Erziehung durch den literarischen Naturalis-mus zuschreiben muß, ist mir geblieben, und sie bildeteine Vorbedingung der Aufgeschlossenheit für dieseelische Naturwissenschaft, die den Namen „Psycho-analyse“ trägt.
Die zweite, sagte ich, ist der Sinn für die Krank-heit, genauer: für die Krankheit als Erkenntnismittel;und auch ihn könnte man von Nietzsche herleiten, derwohl wußte, was er seiner Krankheit verdankte, undauf jeder Seite zu lehren scheint, daß es kein tieferesWissen ohne Krankheitserfahrung gibt und alle höhereGesundheit durch die Krankheit hindurchgegangensein muß. Auch diesen Sinn also könnte man auf dasErlebnis Nietzsches zurückführen, wenn er nicht mitdem Wesen des geistigen Menschen überhaupt unddes dichterischen zumal, ja mit dem Wesen allerMenschheit und Menschlichkeit, von der der Dichterja nur ein auf die Spitze getriebener Ausdruck ist, engverschwistert wäre. „L’humanite“, hat Victor Hugogesagt, „s’affirme par l’infirmite“ — ein Wort, das diezarte Verfassung aller höheren Menschlichkeit undKultur, ihre Kennerschaft auf dem Gebiet der Krank-heit mit stolzer Offenheit eingesteht. Der Mensch ist