kam zu mir. Durch das freundliche Interesse, das siedurch einzelne ihrer Jünger und Vertreter immerwieder, vom „Kleinen Herrn Friedemann“ bis zum„Tod in Venedig“, zum „Zauberberg“ und zum Jo-sephsroman, meiner Arbeit erwies, gab sie mir zu ver-stehen, daß ich etwas mit ihr zu tun hätte, auf meineArt gewissermaßen „vom Bau“ sei, machte mir, wiees ihr denn wohl zukam, die latent vorhandenen, die„vorbewußten“ Sympathien bewußt; und die Beschäf-tigung mit der analytischen Literatur ließ mich imDenk- und Sprachgewande naturwissenschaftlicherExaktheit vieles Urvertraute aus meinem früherengeistigen Erleben wiedererkennen.
Erlauben Sie mir, meine Damen und Herren, in die-sem autobiographischen Stil ein wenigfortzufahren undverargen Sie es mir nicht, wenn ich, statt von Freud zureden,scheinbar von mir rede! Uber ihn zu sprechen,getraue ich mich kaum. Was sollte ich über ihn derWelt Neues zu sagen hoffen können? Ich spreche zuseinen Ehren, auch und gerade, wenn ich von mirspreche und Ihnen erzähle, wie tief und eigentümlichvorbereitet ich durch entscheidende Bildungseindrückemeiner Jugend auf die von Freud kommenden Erkennt-nisse war. Mehr als einmal, in Erinnerungen und Ge-ständnissen, habe ich von dem erschütternden, in merk-würdigster Mischung zugleich berauschenden underziehlichen Erlebnis berichtet, das die Bekanntschaftmit der Philosophie Arthur Schopenhauers dem Jüng-