Erlösung trachtenden Triebphilosophie ... Es mußtewohl so sein. Auf eigenste Hand, ohne die Kenntnisintuitiver Vorwegnahmen mußte er wohl seine Ein-sichten methodisch erobern: die Stoßkraft seiner Er-kenntnis ist durch solche Gunstlosigkeit wahrscheinlichgesteigert worden, und überhaupt ist Einsamkeit vonseinem ernsten Bilde nicht wegzudenken — jene Ein-samkeit, von der Nietzsche spricht, wenn er in seinemhinreißendenEssay „Was bedeuten asketische Ideale?“Schopenhauer einen „wirklichen Philosophen“ heißt,„einen wirklich auf sich gestellten Geist, einen Mannund Ritter mit erzenem Blick, der den Mut zu sichselber hat, der allein zu stehn weiß und nicht erstauf Vordermänner und höhere Winke wartet —“. ImBilde dieses „Mannes und Ritters“, eines Ritters zwi-schen Tod und Teufel, habe ich den Psychologen desUnbewußten zu sehen mich gewöhnt, seit seine geistigeFigur in meinen Gesichtskreis rückte.
Es geschah spät 5 viel später, als man bei der Ver-wandtschaft des dichterisch-schriftstellerischen Im-pulses überhaupt und meiner Natur im besonderenmit dieser Wissenschaft hätte erwarten sollen. ZweiTendenzen sind es vor allem, die diese Verwandtschaftausmachen: Die Liebe zur Wahrheit erstens, einWahrheitssinn, eine Empfindlichkeit und Empfäng-lichkeit für die Reize und Bitterkeiten der Wahrheit,welche sich hauptsächlich als psychologische Reiz-barkeit und Klarsicht äußert, bis zu dem Grade, daß